Steffi bleibt!

Steffi bleibt

Produktionsjahr: 1997
Gattung: Dokumentation
Drehort: Deutschland
Laufzeit: 47 Minuten
Regisseur Nic Nagel; Jan Radt

In Deutschland, wird in den letzten Jahren von staatlicher und städtischer Seite kräftig „aufgeräumt“. Besetzte Häuser, autonome Zentren und andere soziokulturelle Projekte verschwinden nach und nach aus den Stadtbildern. In Berlin wurde 2009 die Brunnenstraße geräumt, diesen Februar erst die Liebigstraße. In Freiburg wurden erst letzten Monat die Bewohner des Wagenplatzes Kommando Rhino von ihrem Platz vertrieben und werden nach wie vor kriminalisiert und mit Repression überschüttet; diese Formen des „alternativen Wohnens“ sind nicht gewollt und werden nicht geduldet. Schon 2003 wurde in Stuttgart das autonome Zentrum OBW9 gewaltsam geräumt, ebenso geschah es im April 2006 mit dem linken Wohnprojekt Ex-Steffi in Karlsruhe.

Die Ex-Steffi war ein Haus, in das die BewohnerInnen des besetzten Hauses Steffi, benannt nach der Stephanienstraße in Karlsruhe einzogen, nachdem auch dieses 1997 geräumt werden sollte. Dieser 1997 in Kooperation mit der Filmakademie Baden-Württemberg erschienene Film wurde von und mit den Leuten aus der Steffi gedreht und bietet einen autenthischen Einblick in das Leben in diesem Wohnprojekt. Natürlich lässt sich der volle Umfang des Lebens in der Steffi nicht auf eine knappe Stunde Film bannen, trotzdem bekommt mensch einen Eindruck von der Konzeption des Hauses und kann vielleicht auch für sich selbst und eigene Projekte einige gute Ideen daraus mitnehmen.

Eine kleine Führung durch das Haus, zeigt wie sich Barrikaden mit dem schönen Leben vereinbaren lassen, in unterhaltsamen Interviews mit den BewohnerInnen werden die kleinen Geschichten und Probleme des Hauses und den Menschen die in ihm wohnten ein wenig angerissen und immer wieder gibt es Einblicke in die politische und kulturelle Arbeit der Menschen, die die Steffi besetzt hatten und hielten, wie zum Beispiel Veranstalten von Konzerten und Volxküchen, Organisation von Demonstrationen und Informationsveranstaltungen, Kampfsporttraining, Flüchtlingshilfe und Gefangenenbesuche. Selbstverständlich wird auch der Konflikt mit den Behörden behandelt, die zur Entstehungszeit des Filmes bereits veranlasst hatten, dass die Steffi geräumt werden sollte um dem Ausbau eines Altenheimes zu weichen. Hier gibt es aufschlussreiche Ausschnitte aus mitgefilmten Gesprächen mit Behördenpersonal.

Allein als Zeitdokument genommen ist dieser Film sehr interessant, vor allem im Hinblick darauf, wie schwer es heute ist im Raum Karlsruhe unkommerzielle (Sub-)Kultur zu leben, da heute Freiräume wie die Steffi es war Städten wie diesen, aber auch z.B. in Stuttgart sehr fehlen. Die Solidarität mit BesetzerInnen, WäglerInnen und anderen Menschen, die für ein schöneres Leben kämpfen bleibt wichtig und richtig!

Link: Youtube (Teil 1 / Teil 2 / Teil 3 / Teil 4)